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Impuls zur Fastenzeit: "Was willst du, dass ich für dich tun soll?"
Wenn wir für andere Menschen da sein wollen, müssen wir auch auf gesunde Selbstfürsorge achten. Daran erinnert Ulrike Zielke, Seelsorgerin im Evangelischen Amalie Sieveking Krankenhaus in Hamburg-Volksdorf, in ihrem Impuls zur Fastenzeit.
Ich bin weggefahren und mache Urlaub. In einer Reisetasche habe ich die Kleidung und Utensilien dabei, die ich brauche oder an denen ich hänge. Ich komme mit ihnen aus. Es fühlt sich sogar entlastend an, mit diesen relativ wenigen Dingen unterwegs zu sein, mit wenigem auszukommen.
Als ich wieder Zuhause bin, fällt mir wieder auf, wie viele Gegenstände ich eigentlich bei mir aufbewahre. Vieles ist dabei, was ich faktisch kaum nutze. Trotzdem kann ich mich nur von Wenigem trennen.
Ähnlich ist es mit vielen Erinnerungen, die mit diesen Dingen verbunden sind. Manche sind schön, manche schwer und viele binden mich.
Was ist nun der Unterschied zur Urlaubszeit? Ich denke, ich selbst belaste mich mit zu vielen Dingen. Das tue ich aber auch mit Gedanken und Vorannahmen.
Das Motto der Landeskirche zur Fastenzeit lautet in diesem Jahr: „Mit Gefühl! Sieben Wochen ohne Härte“.
So ist Jesus aus Nazareth mit den Menschen umgegangen, denen er begegnet ist. Er ist ihnen voller Gefühl und ohne Härte begegnet. Er hat nicht gefragt: „Welche Vergangenheit, welche Krankheit, welche Erfahrung hast du?“, sondern er hat ihnen fern jeder Beurteilung, Abwertung und Festlegung einen Neuanfang frei von jenem ermöglicht, was sie gebunden hat. Er hat den Menschen ihm gegenüber gefragt: „Was willst du, dass ich für dich tun soll?“ (Markus 10,51)
Nun sind wir tagtäglich für andere Menschen da. Und wir treten überwiegend jeden Tag aufs Neue unvoreingenommen auf sie zu. Wir sehen, was an jedem neuen Tag wichtig ist, um für sie da zu sein. Doch wie steht es mit uns selbst? Gerade wir Tätigen in der Diakonie sind in diesem Punkt manchmal mit uns selbst hart und haben nicht immer das nötige Gefühl für uns selbst.
Können wir uns selbst so gegenübertreten, wie Jesus Christus es tut? Können wir uns an jeden Tag uns selbst fragen: „Was willst du, dass ich für dich tun soll?“
Ein Beitrag von Zielke, Ulrike, Seelsorgerin im Evangelischen Amalie Sieveking Krankenhaus in Hamburg-Volksdorf