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Das durch den Innovationsfonds des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) geförderte Modellprojekt in Konsortialführerschaft der AOK Rheinland/Hamburg steht für einen sektorenübergreifenden, therapeutisch-rehabilitativen Pflegeansatz in stationären Pflegeeinrichtungen.

Positive Erfahrungen im Albertinen Haus

Gemeinsam mit Staatsrat Tim Angerer, Dr. Thorsten Minuth, Konzerngeschäftsführer der Immanuel Albertinen Diakonie sowie dem Regionaldirektor der AOK Rheinland/Hamburg, Thomas Bott, verschaffte sich die Senatorin vor Ort einen Einblick in die praktische Umsetzung des Projektes. Ralf Zastrau, Geschäftsführer im Albertinen Haus, und Mitglieder des pflegerisch-therapeutischen Teams erläuterten den Ansatz des Projektes und berichteten von den bisher gemachten positiven Erfahrungen im Albertinen Haus.  

Das Projekt „SGB Reha“ läuft seit Juli 2022 und wird bis Juni 2026 im Rahmen des G-BA-Innovationsfonds mit rund 5,6 Millionen Euro gefördert. Die Intervention in den Einrichtungen erfolgte von April 2023 bis März 2025 in zwölf stationären Pflegeeinrichtungen in Nordrhein-Westfalen und Hamburg. Das Projekt wird derzeit evaluiert durch die Universität Potsdam und die Medizinische Hochschule Brandenburg Theodor Fontane (MHB).

Aufgrund der positiven Erfahrungswerte wird das Projekt unter anderem im Albertinen Haus seit April 2025 auch während der Evaluationsphase weitergeführt. Die Weiterfinanzierung erfolgt durch die AOK Rheinland/Hamburg sowie die Edgar und Nina Kummerfeldt Stiftung.

Wirksamer, individueller Ansatz 

Ziel der Präventionspflege ist es, Alltagsfertigkeiten und Mobilität der Bewohnerinnen und Bewohner zu verbessern oder zu erhalten. Eine Rückkehr in die Häuslichkeit kann ermöglicht werden, muss jedoch nicht im Vordergrund stehen. Weitere Ziele sind:

  • Verbesserung der Lebensqualität von Bewohnerinnen, Bewohnern und Angehörigen
  • Stärkung von Teilhabe und Selbstbestimmung
  • Vermeidung von Polypharmazie und Optimierung der Medikation

Im Mittelpunkt stehen aktivierend-therapeutische Pflege mit rehabilitativer Ausrichtung, eine individuelle, biografiebasierte Versorgungsplanung mit klar definierten Rehabilitationszielen sowie der gezielte Einsatz von Physio-, Ergo- und im Albertinen Haus zudem Musiktherapie direkt in der Wohn-Pflegeeinrichtung. Regelmäßige multiprofessionelle Fallbesprechungen mit Pflege, Therapie, Betreuung, Ärzten und Apotheke sichern die Qualität der Versorgung.

Wie wirksam der Ansatz ist, zeigt das Beispiel von Edelgard E. (87). Die ehemalige Grafikerin hatte einen schweren Schlaganfall erlitten mit der Folge einer halbseitigen Lähmung und einer Sprachstörung. Frau E. nimmt seit April 2025 an der Präventionspflege teil.

Durch die intensivierte aktivierend-therapeutische Begleitung konnten deutliche Fortschritte in der Wahrnehmung und Funktion ihrer rechten Körperhälfte erzielt werden. Beim Besuch der Senatorin demonstrierte Frau E. gemeinsam mit dem Pflege- und Therapieteam konkrete Übungen aus ihrem Rehabilitationsalltag.

Pflegefachkraft Inna Gaberkorn unterhält sich am Tisch kniend mit einer am Tisch sitzenden Bewohnerin nach dem gemeinsam erfolgreich bewältigten Transfer vom Rollstuhl in den Lehnstuhl im Präventionspflegeprojekt „SGB Reha“ im Albertinen Haus in Hamburg
Pflegefachkraft Inna Gaberkorn mit Bewohnerin Frau E. nach dem gemeinsam erfolgreich bewältigten Transfer vom Rollstuhl in den Lehnstuhl.
© Immanuel Albertinen Diakonie, Fabian Peterson
Im Albertinen Haus zeigt sich, wie therapeutische, medizinische und pflegerische Kompetenzen im Alltag eng zusammenwirken, damit Bewohnerinnen und Bewohner Fähigkeiten erhalten oder zurückgewinnen.

Melanie Schlotzhauer, Sozialsenatorin der Freien und Hansestadt Hamburg

Neben den positiven Effekten für Bewohnerinnen und Bewohner verfolgt das Projekt auch zentrale Ziele für die Mitarbeitenden:

„Selbstständigkeit fördern und Lebensqualität zurückgeben“

Sozialsenatorin Melanie Schlotzhauer erklärte: „Pflege kann mehr als versorgen: Sie kann stärken, aktivieren und Selbstständigkeit erhalten. Im Albertinen Haus zeigt sich, wie therapeutische, medizinische und pflegerische Kompetenzen im Alltag eng zusammenwirken, damit Bewohnerinnen und Bewohner Fähigkeiten erhalten oder zurückgewinnen. Das bedeutet mehr Selbstständigkeit und mehr Teilhabe im Alltag. So wird sichtbar, wie moderne Pflege heute aussehen kann.“

Dr. Thorsten Minuth betonte: „Mit der Präventionspflege zeigen wir, dass stationäre Pflege weit mehr sein kann als Versorgung. Sie kann gezielt rehabilitativ wirken, Selbstständigkeit fördern und Lebensqualität zurückgeben. Das ist ein Paradigmenwechsel in der Langzeitpflege.“

Thomas Bott erläuterte: „Wenn wir uns die positiven Erfahrungen in diesem stationären Umfeld vergegenwärtigen, werden diese auch in tagespflegerischen Einrichtungen und der ambulanten Pflege mit entsprechender Ausrichtung zu erreichen sein und dazu führen, dass das Leben in weitgehender Selbstständigkeit und eigener Häuslichkeit gefördert werden kann. Dazu starten wir demnächst ein weiteres Projekt.“

Mit der Weiterfinanzierung durch die AOK Rheinland/Hamburg und die Edgar und Nina Kummerfeldt Stiftung wird der erfolgreiche Ansatz auch im Albertinen Haus fortgesetzt und weiterentwickelt. Ziel der Projektpartnerinnen und -partner ist es, die sektorenübergreifende Zusammenarbeit zwischen Pflege, Therapie und medizinischer Versorgung nachhaltig zu etablieren und als Modell für weitere Einrichtungen nutzbar zu machen.

Mehr Informationen über das Albertinen Haus